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Es ist 30°C im Schatten, wie an so vielen Tagen der letzten Wochen. Mensch und Hund leiden an den Temperaturen und der Sonne, die von einem gnadenlos blauen Himmel brennt. Wir sind mit Freunden im Greizer Stadtpark unterwegs, einem wunderschönen und weitläufigen Park, in dem man unter Schatten spendenden Eichen und Buchen an der Weißen Elster flanieren kann. Hier und da sind noch immer die Spuren des Hochwassers zu sehen, dass die Stadt vor fast drei Jahren heimgesucht hat.

Als ich Ulrike vor vier Jahren kennenlernte, fiel mir Greiz als sehr schöne kleine Stadt auf, die hier und da von verlassenen und langsam verfallenden Gebäuden am Rande gezeichnet war. Das Hochwasser scheint den Verfall der Stadt auch im Innern beschleunigt zu haben. Das Bild einer Geisterstadt des Wilden Westens drängt sich in manchen Straßen auf.  Der Park und die Burg strahlen dem gegenüber, noch mehr als früher, in ihrer gepflegten Schönheit.

Im Park gibt es ein Cafe, in dem wir früher sehr gern gesessen haben um unseren Kuchen mit Kaffee zu genießen. Der Innenbereich ist mit einigen Tischen ausgestattet, die nicht besetzt, aber zu einem großen Teil dauerreserviert zu sein scheinen. Im Außenbereich, an einem sonnigen Platz, der von riesigen, schattenspendenden Bäumen umringt wird, werden vier Tische in der prallen Sonne angeboten. Zwei Sonnenschirme spenden zumindest etwas Schatten. Natürlich sind die beiden Tische im Schatten dieser Schirme die einzigen Tische, die besetzt sind.

Während unseres Spaziergangs durch den Park und am Fluss entlang, kommen wir zum Cafe und versuchen einen Tisch zu reservieren. Das Ergebnis lautet: Das geht nicht! Die Bedienung hat keine Zeit Reservierungen entgegenzunehmen!

Da gerade ein Platz in der Sonne frei ist, wählen wir zunächst diesen, geben für uns fünf Personen Bestellungen auf, merken jedoch nach einer Weile, dass die Sonne unerträglich wird. Unsere Überlegungen: Weitere fünf Minuten in der Sonne und wir haben einen Sonnenbrand, der sich gewaschen hat. Aber fünf Meter weiter bietet eine Eiche umstellt mit Bänken reichlich Schatten. Wir ziehen auf eine der Bänke nahe des Eingangs zum Cafe um. Kurz darauf bringt die Bedienung ein Tablett heraus. Die Reaktion auf unseren Platzwechsel lässt nicht lang auf sich warten:

„Dort dürfen wir Sie leider nicht bedienen!“

„Wir können uns den Kuchen doch auch holen!“

„Nein, das geht nicht!“

Es gibt auch keine weiteren Sonnenschirme, die im erlaubten Bereich etwas mehr Schatten spenden würden. Wir versuchen unser Glück also im Cafe selbst, da mittlerweile auch die aufgegebenen Bestellungen auf uns warten. Das Fazit diesmal:

Es gibt einen nicht reservierten Tisch, an den wir fünf Personen und zwei Hunde uns schon setzen wollen, als uns das nächste Problem ereilt. „Mit den Hunden müssen Sie bitte draußen bleiben! Wir bedienen Sie gern draußen!“ …. welch kafkaeske Auskunft! Unsere Runde beratschlagt trotzdem weiter, wie man das Problem lösen könne und wir hatten folgende Idee: Mangels Möglichkeit die Hunde im Schatten anzubinden, wollte immer einer mit den wilden Wölfen draußen bleiben. also: Essen in Schichten. Die zwei Minuten, die wir zur Ideenfindung benötigten, waren der Bedienung aber auch nicht recht, wir wurden erneut abgewiesen, der Kaffee sei bereits anderweitig verteilt worden. Als ob es so wäre, dass die Kaffeemaschine für jeden Kaffee neu erfunden werden müsste!

Man erahnt, dass der Kuchen, den wir in diesem Cafe, trotz bearbeiteter Bestellung, nur imaginär in unserem Magen gelandet ist. Dank der „freundlichen“ und „kompetenten“ Bedienung bleiben so glücklicherweise auch die Kallorien auf den Hüften reine Fiktion.

Ein Hoch auf die Greizer Gastfreundlichkeit!

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