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Der Fußboden beginnt zu brodeln, schwarzes Fell, rotes Fell, ein kurzes Gemenge, dann Stille! Ich stelle den Teller auf den brusthohen Tisch und klettere auf den barhockerartigen Stuhl davor…… es hat Gründe, warum wir so sportlich essen: Teppichhaie sind im Anmarsch!

Der rote Hai weiß genau, dass akutes Betteln nur bei unschuldigen Neulingen etwas bringt, oder bei Menschen mit schlechtem Gewissen, oder bei Besuch, oder… lassen wir das, bei mir nützt es nix. Trotzdem schwimmt der rote Hai in immer enger werdenden Kreisen um den Stuhl, dann um die Tischbeine und dann unter den Tisch. Der schwarze Hai kommt ihm dabei in die Quere. Der schwarze Hai glaubt noch immer, dass große Augen über seinen großen Bauch hinwegtäuschen können. Der gschwarze Hai frißt alles, was in`s Maul passt! Das zieht das Mißfallen des roten Haies an, er gönnt dem Schwarzen nichts, auch nicht die Schuhsohle die er gerade aus dem Mülleimer angeln will. Da gibt es Zoff! Auch mit mir.

Ich ziehe meine Füße noch etwas höher und schiebe mir das Essen auf dem Teller zurecht. Ein Stupsen an der Wade. Nicht hingucken, einfach essen! Noch ein Stupsen, ich gucke doch, der schwarze Hai schmiert jetzt am Stuhlbein entlang. Der rote Hai sitzt unter dem Tisch und beginnt leise in Richtung des Schwarzen zu grollen. Aus! Still! Lasst mich essen!

Stille. Seltsam…einfach weiter essen. Immernoch Stille. Sind sie weg? Oder doch schon verhungert? Ich riskiere einen Blick und ernte ein begehrliches Fiepen in Richtung meines Tellers. „Wer hat die nur erzogen!“ denke ich und verbiete mir die Antwort. Ich schaufele den nächsten Happen in den Mund und das Fiepen wird lauter, das Knurren auch.

Ich esse weiter und die Gedanken entfernen sich zunehmend weg von der frisch zubereiteten Speise hin zu den Mägen der Teppichhaie. Kann es sein, dass sie doch noch nicht satt sind?

Ich esse ja auch öfter als 2 Mal am Tag….vielleicht haben sie ja Hunger, weil es draußen so kalt ist? Nein, im Sommer betteln sie auch. Ich merke, dass ich bereits seit 5 Minuten auf einem Stück Aubergine herumkaue und bemühe den Schluckreflex.

Es stupst wieder. In den tiefschwarzen Augen ist die hoffnungsvolle Neugier verschwunden und einer traurigen Einsicht gewichen. Mein Essen wird kalt. Na dann ist es auch egal. „Man verbraucht schon mehr Energie wenn es draußen kalt ist, oder?“ Ich blicke an meinem Wollpullover hinunter und stolpere wieder über die schwarzen, traurigen, treuen Augen.

Ich stehe auf und gebe jedem Hai noch etwas Futter in den Napf, ist ja nur heute…. und sonst mache ich ja sowas nicht… und es ist so kalt draußen, wir müssen auch gleich nochmal Gassi…nur heute. Eiliges Schmatzen an beiden Näpfen. Ich setze mich wieder an meinen Teller und versuche die erkalteten Reste meiner Mahlzeit doch noch zu vernichten, da spüre ich etwas warmes an meinem Bein und ein trauriges Winseln dringt von unten herauf… vom Teppichhai.

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