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„2016 treibe ich mehr Sport“, ich stehe vor den Angeboten eines Discounters und betrachte eine hellrote Gymnastikmatte. Die Farbe erinnert an frische Erdbeeren im Juni. Es ist Anfang Januar, nasskalt und der Gedanke an Sommer tut gut. Allerdings ist die Anschaffung einer Gymnastikmatte nicht allein damit zu rechtfertigen, dass sie an frische Erdbeeren erinnert, denke ich.

Irgendwie ist sie dann trotzdem in meinem Einkaufskorb gelandet.

Wenn sie schon mal dort im Wagen liegt, dann könnte ich mir eigentlich auch vornehmen wieder mit Yoga anzufangen, dann könnte die schöne rote Matte auch gleich im Wagen bleiben. Klingt gut! denke ich mir und schiebe den Wagen weiter zum Gemüse, zur Milch, zu den Waschmitteln….

…und wie das so ist, mit den Gedanken, kaum hat man sie zu Ende gedacht, da hat man auch schon an der Kasse bezahlt und ist mit dem Auto nach Hause gefahren. Da stehe ich nun, mit der erdbeerfarbenen Gymnastikmatte. Ich gebe Ihr zuerst den Namen „Yogamatte“, stelle sie dann in einer Ecke ab und lege das passende Yogabuch daneben. Fühlt sich irgendwie gut an, so sportlich motiviert zu sein! Danach koche ich mir erstmal was zu Essen.

Zwei Tage später.

Während ich so das Frühstück abräume, sticht mir das helle Rot der „Yogamatte“ in`s Auge. Was für ein angenehmer Kontrast zum immernoch grauen Himmel! Eigentlich schade, dass ich gerade gegessen habe, sonst hätte ich direkt mit den Übungen anfangen können….

Zwei Stunden später.

Wieder laufe ich an der Matte vorbei. Diesmal bin ich beim Aufräumen. Ich ha**e Aufräumen, trotzdem muss es sein. Aber die Matte kann ich ja DA jetzt auch nicht stehen lassen, wie sieht dass denn aus? Aber sie sofort in die Abstellkammer wegsperren, ohne sie ein einziges Mal vorher benutzt zu haben…. das fühlt sich irgendwie nicht richtig an. Mein Blick wandert zwischen der wunderschönen hellroten Erdbeermatte und dem schmutzig grauen Wischmop hin und her. Ganz klar, die Matte gewinnt, Ordnung muss zwar sein, aber Sport auch!

Ich rolle die Matte aus.

Die Matte rollt sich wieder zusammen. Ich rolle sie wieder aus, lass aber diesmal einen Fuß auf dem einen Ende stehen und drücke das andere Ende mit einer Hand zu Boden. Da die Haltung recht unbequem ist, beschließe ich, mich ganz auf die Matte zu legen und gleich mit der ersten Übung zu beginnen. Wer braucht schon Sportkleidung, die Putzklamotten tun`s schließlich auch. Während ich versuche meinen Rücken in eine halbwegs gesunde Ausgangslage zu bringen spüre ich ein Ziehen am Kopf. Sollten das schon die ersten sportlichen Nebenwirkungen sein? Ich komme nicht mehr dazu weiter darüber nachzudenken, denn mir fährt augenblicklich eine nasskalte Hundeschnauze quer durch das Gesicht. Mein erster Gedanke: Nass-kalte Schnauze, der Hund ist gesund! Mein zweiter Gedanke: Uuuuaaaaahiiiiiiii!!!!! Ich will hochfahren um mein Gesicht zu bergen, aber ich sacke sofort wieder zurück, meine Haare sind durch Hundepfoten fixiert und ich will nicht mit Halbglatze enden.

Freundlich aber bestimmt schiebe ich Bujo ein Stück von mir weg.

Natürlich freue ich mich darüber, dass er mir Zuneigung zeigt, aber gerade JETZT hat der Sport Priorität. Ich lege mich also wieder hin, richte meinen Rücken und beginne mit dem Heben der Beine. Das steht nicht direkt im Yogabuch, soll aber gut für die Bauchmuskel…….aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaah! Reflexartig ziehe ich die Beine an, etwas hat nach meinem Fuß geschnappt und springt jetzt der fliehenden Beute hinterher. Wieder verweise ich Bujo der Matte. Für solche Spielchen fehlt mir gerade jedes Verständnis. Ich lege mich wieder hin, richte erneut meinen Rücken gerade aus – das klappt ja schon ganz gut – und überlege mir, bei welcher Übung ich weder den Kopf, noch die Füße heben muss, da macht es „RUMMS“ und mein Rücken hat sich aus der Geraden zu einem U verschoben und mitten drin liegt ein schwarzer Cockerrüde, streckt die Beine in die Luft und schubbert sich genüßlich den Rücken an mir und der Matte.

Ich stehe auf und räume das Feld.

Die Wohnung ist eh noch VIEL zu schmutzig um sich gerade JETZT auf Sport konzentrieren zu können. Ich greife wieder zum Wischmop, schließe die Badtür hinter mir (um die Matte nicht mehr sehen zu müssen, das lenkt nur ab) und lege los!

 

 

 

 

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