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Wir führen eine Ost-West-Mischehe, denn die Grenze lebt (und Elvis auch!!!)…zumindest in manchen Köpfen.

Ihr kennt die Grenze vielleicht nurnoch aus den Geschichtsbüchern… als wir geboren wurden, war eine partnerschaftliche Verbindung zwischen meinem Mann und mir noch undenkbar. Zwischen uns gab es eine Mauer, bissige Hunde und Selbstschussanlagen. Dass wir unser erstes Date in ein und der selben Eisdiele haben würden, hätte sich damals niemand vorstellen können.

Wir waren noch nicht in der Schule, da wollten viele Menschen mehr als den Balaton, man hatte es satt der Verwandschaft nur Päckchen mit Kaffee schicken zu können (lag es am Porto?) und nach einigem hin und her wurde die Grenze geöffnet.(= Verkürzte Version der Wiedervereinigung)

Für mich als Kind machte sich dieses historische Ereignis eigentlich nur dadurch bemerkbar, dass die Erwachsenen plötzlich an jeder Ecke stehen blieben und überdurchschnittlich lange smalltalkten. Danach gab es plötzlich Fertigpudding in den Geschäften und einige Bekannte wurden arbeitslos. Ihr könnt Euch sicher schon denken in welcher Hälfte Deutschlands ich aufgewachsen bin. Zur Schule ging ich schon im wiedervereinten Deutschland und sollte später im Fach Geschichte (dank Lehrplan) in Aufsätzen das Deutschland meiner Kindheitsjahre mit der Nazidiktatur vergleichen. Da blieb mir fast das Pausenbrot im Halse stecken vor Schreck.

Eine Ost-West-Mischehe ist ein kompliziertes Konstrukt mit Auswirkungen auf die Umwelt, das merkt man besonders in folgenden Bereichen:

  • Lästern dient zum Pflegen von Sozialgefügen, aber Wir können weder im Osten über die Wessis noch im Westen über die Ossis lästern, einer wäre immer beleidigt.
  • Wir zerstören Illusionen, indem wir unseren Verwandten und Bekannten aus eigener Erfahrung mitteilen können, dass weder alle „Wessis“ Betrüger NOCH alle „Ossis“ Sachsen sind.
  • Wir pendeln wie Scheidungskinder zwischen den Familien, denn die ehemalige Zonengrenze wird von den meisten Verwandten immernoch ungern übertreten. Wahrscheinlich gibt es da eine Art genetisch bedingter Urangst, die erst über Generationen abgebaut werden muss.
  • Hätten wir Kinder, wären sie dann WOSSIS?
  • Da wir in Bayern (pardon, Franken!) leben, gelte ich in meiner Heimat als „eine die rübergemacht hat“ (Zitat einer Bankangestellten, die mein Kinderkonto auflösen sollte) und mein Mann ist „einer von drüben“. Meine Westbekanntschaft freut sich darüber dass ich trotz allem so gut Deutsch spreche, Bananen hat mir aber noch keiner angeboten. 😉

Fühlt sich jemand auf den Schlips getreten? So bedenkt: Bei mir heißt das Krawatte!!! Und statt Hähnchenbollen sage ich Broiler.

Eure Ulrike

 

 

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