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Osterferien – ganze freie Tage – die Zeit der RICHTIG großen Spaziergänge …. so ähnlich habe ich am Anfang der Woche gedacht, als ich mit unseren Hunden aufgebrochen bin. Dass wir alle nach 20 min wieder im Auto sitzen und frieren würden konnte ich da noch nicht ahnen.

Dass Bujo Enten liebt, das ist mir schon lange klar, deshalb gilt mein erster Blick immer der Suche nach eventuell gefährlich lebenden Federvieh. Das Flüsslein welches die Wiese begrenzte war umgeben von Gestrüpp und Bäumen aber Enten waren keine in Sicht. Gut für Bujo, da darf er von der Leine, dachte ich mir. 2 Minuten später grüßt er mich von der anderen Flussseite. Mist, denke ich noch, dahinter kommt in einigem Abstand eine Straße, also rufe ich den Umtriebigen zurück. Er würde auch gerne wieder zurück kommen, nur wie? Ich frage mich, wie er über das braungelbe Wasserband gekommen ist, er schwimmt ja nicht, ist er drüber gelaufen? Ich suche, aber ich kann die Stelle an der er „über`s Wasser gelaufen“ ist nicht finden, zudem rennt Bujo am anderen Ufer in die entgegengesetzte Richtung, ich beschließe ihm zu folgen. Irgendwann wird schon eine flache Stelle kommen an der er sich traut hindurch zu laufen….nur, so weit kommen wir garnicht.

Bujo versucht sein Glück an den denkbar ungünstigsten Stellen: da wo es steil ist, da wo es tief ist und da wo ekeliger Schaum auf dem Wasser schwimmt. Ich versuche ihn zu einer einigermaßen flachen Stelle zurück zu locken – ich denke dass sie flach ist, weil Steine herausschauen. Später werde ich wissen, dass „flach“ in diesem Fall „knietief“ bedeutet. Bujo lehnt es ab mir und Isi zu folgen, also kehre ich um und versuche ihn im Blick zu behalten. WIE er dann im Wasser gelandet ist, habe ich beim Kampf mit dem Ufergestrüpp dann doch nicht mitbekommen. Dass er an einer der steilsten, schmutzigsten und wahrscheinlich auch tiefsten Stellen des Flüsschens in`s Wasser geplumpst ist, ist dagegen sofort klar.

Bujo steckt bis zum Hals in der gelbbraunen Brühe, Schaum staut sich an ein paar hängengebliebenen Ästen, das Ufer ist steil und er rutscht ständig ab. Auf meiner Seite reicht eine große aber glitschige Wurzel in`s Wasser auf der Isi bereits herumturnt. Damit ich nicht bald 2 Hunde retten muss, dirigiere ich sie wieder an`s Ufer und versuche wie weit ich auf der Wurzel komme. Nicht weit, Bujo erreiche ich so nicht. Wie tief das Wasser genau ist, lässt sich an dieser Stelle nicht ausmachen und ich kann mich nicht überwinden es einfach zu testen – sicher, wäre die Not noch größer, dann wäre ich auch dort für Bujo in`s Wasser gesprungen. Ich ziehe mich von der Wurzel zurück und dabei fällt mir wieder die „seichte“ Stelle von vorhin ein. Ich lege meine Tasche und die Jacke am Ufer ab, binde Isi an einen Baum und laufe 20 Meter am Ufer zurück. Bevor ich die flache Stelle erreichen kann muss ich durch einen schlammigen Miniseitenarm und über einen Haufen Äste klettern. Ich verabschiede mich gedanklich von meinen geliebten Lederschuhen, da ich den Grund nicht sehen kann, werde ich sie anlassen. Ich mache den ersten Schritt und merke, dass die Stelle zwar tiefer als erhofft ist, dass mir das Wasser aber „nur“ bis zum Knie reicht. Ich mache den zweiten Schritt, wieder habe ich Glück, auch hier ist das Wasser nicht tiefer und nach zwei weiterteren Schritten habe ich es ohne auszurutschen geschafft. Ich klettere das andere Ufer hinauf, laufe durch das etwas übersichtlichere Gestrüpp und stehe nun vor dem Problem Bujo an der steilen Uferstelle zu erreichen. Ich möchte NICHT herausfinden wie tief genau der Fluss an dieser Stelle ist. Dank einiger Wurzeln und rutschfester Schuhsohlen kann ich so weit zu Bujo herunter klettern, dass ich ihn an seinem Geschirr zu greifen bekomme. Ich ziehe und zerre und Bujo hilft fleißig mit sich aus dem Wasser zu befreien indem er wie ein Bergsteiger am Seil versucht mit den Pfoten Halt zu finden.

Wieder an Land zeigt Bujo wenig Interesse, dem Fluss noch einmal näher zu kommen – vielleicht lernt er dauerhaft aus diesem Erlebnis? Das nächste Problem bestand darin, wieder auf die andere Flußseite zu kommen. Ohne Hund habe ich es nassen Fußes ganz gut geschafft, aber nun habe ich einen Hund der sich dem Fluss auf 3 Meter nicht mehr nähern möchte und auch an einer knietiefen „seichten“ Stelle würde er schwimmen müssen. Also blieb mir nur die Möglichkeit Bujo unter den Arm zu klemmen und zu versuchen beim Durchqueren nicht auf dem glitschigen Untergrund auszurutschen. Irgendwie gibt es in mir eine natürliche Hemmschwelle die sagt: gehe nicht im Winter durch trübes Wasser von dem Du nicht genau weißt WIE tief es ist. Da ich mir auf dem Hinweg NICHT die genauen Schritte gemerkt hatte, war auch der Rückweg wieder wie Lottospielen: wie wird der nächste Schritt? Zum Glück hat Bujo das gespürt und ganz ganz still gehalten. Über die Äste und durch den Schlamm ist er dann sogar selber geklettert und gewatet.

Auf mich warteten nun eine frustrierte Isi-Hündin, eine trockene Handtascheund zum Glück noch eine trockene Winterjacke am Ufer. So endete unser Spaziergang nach 20 Minuten wieder im Auto mit voll aufgedrehter Heizung.

Also das Thema „ANBADEN“ ist bei uns für dieses Jahr schon durch.

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