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Wenn ich Freunden meine Heimatstadt zeigen möchte, läuft das ungefähr so: Hier stand mal ein Teil meiner Schule, hier gab es mal ein Wohngebiet und in diesem Haus war einmal … So ist es, wenn man aus einer Region kommt, die langsam vergessen wird.Ich wurde in Hoyerswerda geboren und habe dort 18 Jahre lang gelebt. Die Entwicklung der Stadt und der Region sind eng mit der Braunkohle verknüpft. In seiner Blütezeit wuchs Hoyerswerda von ca. 20 000 auf mehr als 70 000 Einwohner. Für den Abbau der Braunkohle wurde in einer ganzen Region die Erde aufgerissen.

Gleich hinter Hoyerswerda beginnen heute die Tagebaurestlöcher.

Mit dem Ende der Braunkohleära gab es plötzlich kaum noch Arbeit, die Stadt war nicht darauf vorbereitet ihren Bewohnern Alternativen zur Braunkohle zu bieten und so wanderten (und wandern) viele ab. Hoyerswerda wurde immer kleiner, inzwischen dürfte die Einwohnerzahl nahe der 30 000 liegen. Als ich vor 13 Jahren für mein Studium die Stadt verließ, hätte ich mir nicht vorstellen mögen, wie wenig jetzt noch von ihr übrig ist und es wird immer weniger. Dabei zuschauen zu müssen tut weh.

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Es wurden in den letzten Jahrzehnten ganze Wohnkomplexe dem Erdboden gleich gemacht.

Alles wird verkleinert, auch die Möglichkeiten der Menschen vor Ort schrumpfen immer weiter. Einige Jahre gab es noch die Kaufkraft der „Bergbaurentner“, die mit ihren ordentlichen Renten Kundschaft für Geschäfte und kulturelle Projekte waren, aber mit ihrer Generation scheint auch die Perspektive der Stadt zu sterben. Aber nicht nur Hoyerswerda wird immer weniger, in der ganzen Region fehlt eine Perspektive.

Aus den Tagebaurestlöchern werden Badeseen.

Das „Lausitzer Seenland“ entsteht aus renaturierten Tagebauen. Die riesigen Löcher in der Erde werden seit vielen Jahren gesichert und geflutet, inzwischen sind daraus einige schöne Badeseen entstanden, aber es gibt auch noch aktive Braunkohletagebaue und Kraftwerke. So wird zum Beispiel die in den Tagebauen Nochten und Reichwalde geförderte Kohle im Kraftwerk Boxberg verarbeitet. Das Kraftwerk wird von Vattenfall Europe betrieben und ist (wie alle Braunkohlekraftwerke) hart umstritten. Erst am letzten Wochenende wurde es von Umweltaktivisten besetzt.

Auch mir blutet das Herz, wenn die Erde aufgerissen wird, aber was kommt DANACH?

Sollten die verbliebenen Kraftwerke geschlossen werden, fallen sehr viele Arbeitsplätze in der Region weg. Wer finanziert dann die Renaturierung der verbleibenden Restlöcher? Werden dann einfach Zäune um die ungesicherten Gruben gezogen? Wer kümmert sich um die Nachwirkungen der Kohleförderung auf die Natur? Was wird dann aus einer Region die bereits jetzt kaum Perspektiven hat?

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Ich habe in diesem Artikel für Interessierte einige weiterführende Links gesetzt. Noch habe ich keine abschließende Meinung zum Thema Braunkohleabbau. Ich bedauere die Folgen die der Abbau für Mensch und Umwelt hat und ich fürchte die Konsequenzen die sich aus einer Schließung der Kraftwerke für die gesamte Region ergeben. In der einen Waagschale liegen die Dörfer die den Baggern weichen mussten (und müssen?), die Gefahren für Trinkwasser und Luft in Folge des Abbaus und in der anderen Waagschale liegen die Menschen die von der Kohle leben, das Geld was für die Renaturierung der bereits vorhanden Restlöcher gebraucht wird.

Weitere Links zum Thema findet Ihr hier:

Sulfate im Trinkwasser (Tagesspiegel.de)

Zeit für einen Plan B (Deutschlandfunk.de)

Greenpeace will Kohleabbau stoppen (Stromanbietervergleich.de)

Der Kampf gegen die Verockerung der Spree (Deutschlandradiokultur.de)

 

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