Inzwischen habe ich mich vom Abenteuer am Weihnachtstag mit der Bahn zu reisen erholt, aber traumatische Erfahrungen hinterlassen Spuren. Werde ich es irgendwann schaffen das Rumpeln der Waggons vom Duft einer überquellenden Bordtoilette zu entkoppeln?

Bahnfahren kann -wenn man es antizyklisch betreibt- sehr entspannend sein. An Tagen und zu Zeiten, an denen viele Menschen ohne Stau von A nach B kommen wollen, braucht ein Reisender jedoch Mut und Demut zugleich. Nein, stolz darf man nicht sein um sich mit einem Platz zwischen aromatischem Schuhwerk, ausgeleierten Koffern, gestressten Pendlern und einer verbarrikadierten Toilettentür auf dem Fußboden abfinden zu können. Nein, ein Anrecht auf einen sauberen und gepolsterten Sitzplatz erkauft man sich (trotz gepfefferter Preise) mit seinem Ticket nicht. Man hat anscheinend auch kein Recht auf eine funktionierende Toilette oder atembare Luft. Aber wer braucht das schon, wenn man doch so viele interessante Mitreisende wortwörtlich hautnah kennenlernen kann!

Um das Abenteuer frisch zu halten werden dafür an Hauptverkehrstagen gerne mal ein paar Wagen abgehängt und die Lüftung abgestellt. Ach was sage ich, nimmt man ganz ganz alte Waggons, erspart man den Angestellten freundlicherweise sich überhaupt erst mit dem komplizierten Technikkram einer Klimaanlage auseinandersetzen zu müssen. Vorbildlich! Vor meiner nächsten Zugreise zur Stoßzeit, ziehe ich trotzdem eine Ausbildung im Nahkampf in Betracht, um eventuell doch mal wieder auf etwas polsterähnlichem sitzen zu können. Wünscht mir bitte Glück!

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