Schön war unsere Wanderung auf Trampelpfaden über Teichdämme, aber plötzlich war der Pfad vorbei. Nachdem wir eine halbe Stunde gelaufen waren, lag zwischen dem nächsten Wanderweg und uns plötzlich ein Wassergraben, was tun? 

Wie ein Wolf im Käfig liefen wir den Graben ab: von Rechts nach Links, von Links nach Rechts…. Aber der Graben war überall gleich breit = zu breit und gleich tief = überwadentief. Seltsam war, dass unser Trampelpfad auf der anderen Seite des Grabens eindeutig bis zum Wanderweg führte. Wie hatten das die Wanderer vor uns gemacht? Können alle außer uns weit genug springen? Sind wir die Einzigen die nicht in hüfthohen Gummistiefeln wandern? Oder gab es hier mal eine …. Brücke, einen Steg, einen Balken? Wir liefen ein weiteres Mal das Ufer ab und tatsächlich, an einer Stelle lagen auf beiden Seiten des Grabens Betonsteine am Ufer, sogar genau da, wo der Trampelpfad am anderen Ufer verlief. Toll, hier hatte es also Mal einen Steg GEGEBEN. Vergangenheitsform. Das war jetzt Mal so gar nicht „2017“.

Moment Mal, ein Stück weiter den Graben entlang, lag etwas im Wasser das breiter aussah als die üblichen Zweige und Totholzansammlungen. Wir gingen näher hin und sahen, dass es sich eher um etwas in Bierzeltbankbreite handelte. Eine Bierzeltbank? Hier? Oder das Mal der Steg gewesen? Leider hing das Holz am gegenüberliegenden Ufer fest und wir konnten es trockenen Fußes nicht erreichen. Immerhin sah man, dass an jedem Ende der „Bank“ ein dicker Nagel herausragte, der zu den Löchern in den Betonsteinen passte. Super, die „Brücke“ vor Augen, aber keine Möglichkeit sie zu nutzen ohne nass zu werden. Wir überlegten…..Wer von uns zieht die Schuhe aus und zerrt das Teil aus dem Wasser? Ist das trotz Emanzipation noch der Job des Mannes? Könnte ich meine Karottenjeans überhaupt über die Wade krempeln? Will ich das? Oder sollen wir einfach den gesamten Weg zurück gehen?

In dem Moment hörten wir Stimmen. Bald erkannten wir die dazugehörigen Wanderer: ein älteres Ehepaar. Als sie uns sahen, grüßten sie uns und eine Idee war geboren! Vom anderen Ufer aus konnte man den Steg gut aus dem Wasser ziehen und an seinen alten Platz bei den Steinen bringen. Ob uns die Wanderer helfen wollen würden? Sie wollten, hatten aber leichte Zweifel an unserem Plan. Zugegeben, das Holz sah nicht gerade auf den ersten Blick nach einer Brücke aus, vielleicht erst auf den dritten Blick, aber diese Zeit nahmen sie sich. Der Mann zog das Brett aus dem Wasser und sie trugen es gemeinsam zu den Steinen. Es stellte sich aber als schwierig heraus, das Holz durch das Wasser mit einem Ende zu uns hinüber zu schieben. Die Strömung ließ es immer wieder abdriften. Allgemeines Grübeln…

Dann hatte der Mann eine Idee! Er stellte das Brett senkrecht, wir gingen zur Seite und er ließ es umkippen. Es krachte mit einem Ende auf unser Ufer. Das andere Ende…..Rutschte in den Graben. Nicht ideal. Diesmal zerrten wir das nasse Holz zu zweit mit Müh und Not aus dem Wasser heraus. Wie hatte der Mann das erst alleine so schnell schaffen können? Das Holz war aufgequollen, schwer, schmierig, schmutzig und sperrig. Wir brauchten mehrere Anläufe um es an der richtigen Stelle -auf den Steinen- aufstellen zu können. Dann gingen alle zur Seite und Johannes ließ es umfallen und…. wir hatten Glück! Jetzt lag das Holz auf beiden Uferseiten sicher auf den Steinen. Ich meldete mich als Versuchsperson und betrat vorsichtig die Planke. Hatte ich Weihnachten zu viel gegessen oder würde mich das nasse Holz tragen? Ob es schon morsch war? Wie lange hatte es im Wasser gelegen?

Ich hatte Glück, die Planke trug mich und ich konnte bald die ausgestreckten Hände ergreifen und trocken das andere Ufer erreichen. Als nächstes versuchten wir die Hunde zu locken. Isi verstand schnell, was wir von ihr wollten und spazierte leichten Fußes -als täte sie das täglich- über den Steg. Bujo war die Angelegenheit dagegen nicht vertrauenserweckend. Er testete zuerst aus, ob das Wasser nicht doch die bessere Alternative wäre. Aber die Eigenschaften KALT, NASS und TIEF überzeugen ihn dann doch davon den Steg zu benutzen. Johannes musste als Letzter über das Holz balancieren und auch er kam trocken am anderen Ufer an. Kaum war er da, holte die Frau zwei Trinkbecher aus ihrem Rucksack und schüttete uns aus einer Thermoskanne selbst gemachten Glühwein ein. Kann das Jahr 2017 freundlicher beginnen? Leider haben wir kein Bild vom rekonstruierten Steg geschossen, auch nicht von den netten Menschen. Wir waren zuerst so beschäftigt und dann dankbar und froh, dass wir gar nicht dran gedacht haben unser „Bauwerk“ zu dokumentieren.

Vielleicht übernehmen wir im nächsten Jahr die Tradition dieses Wandererpaares und starten in den ersten Tag des Jahres mit einer Glühweinwanderung! Ich hoffe Ihr hattet auch so einen freundlichen Tag in das Neue Jahr wie wir!? Was habt Ihr am ersten Tag des Jahres erlebt?

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