…ist Lebensfreude! Neulich bin ich mit meinen zwei Cockern an zwei älteren Herren auf einer Parkbank vorbei gegangen. Daraufhin sagte einer zum anderen: Manche haben sogar NOCH MEHR Hunde! Das klang ein bisschen wie: Erinnerst Du Dich an die verrückte Katzenoma mit ihren 40 Stubentigern? 

Der Reiz eines tierischrischen Begleiters ist vielfältig und für Menschen ohne -sagen wir mal Hund- schwer nachvollziehbar. Die Gassi-Gemeinde dagegen weiß genau worum es geht: Hunde (Tiere) sind authentisch, sie zeigen ihre Gefühle ganz direkt, wenn sie sich freuen, dann steckt das an! Hunde (Tiere) nehmen uns so wie wir sind, sie basteln sich nicht via Photoshop das ideale Herrchen/Frauchen und kritteln dann so lange an uns herum, bis wir genau so aussehen, nein! Sie freuen sich mit uns unterwegs zu sein und ob wir dabei modisch, gestylt, fit und sexy aussehen, ist ihnen völlig egal. Sie freuen sich genauso mit uns ihre Runde zu drehen, wenn wir im Pyjama, mit ausgelatschten Turnschuhen und einer Frisur für die wir weniger als 30 Minuten vor dem Spiegel gestanden haben neben ihnen laufen.

Hunde (Tiere) kennen kein Bodyshaming (sich für seinen nicht playboyesken Körper schämen) und sie brauchen keine Wörter wie Bodypositivity (sich öffentlich trauen den eigenen Körper ohne Scham zu akzeptieren), da für Hunde/Tiere total normal ist, dass man nur einen Körper hat und diesen achtet und pflegt. Menschen sind da leider oft anders. Ich muss dazu sagen, ich habe meine Waage entsorgt, da war ich 18! Natürlich bekam ich später wieder eine geschenkt, denn jeder „braucht“ ja sowas. Als die Batterien runter waren, habe ich dann einfach keine Neuen mehr gekauft…in meinem Umfeld gibt es zum Glück viele normale und authentische Menschen, aber selbst diese erzählen auch gerne mal ganz stolz, dass ihnen das alte Kleid von vor 10 Jahren wieder passt. Im Prinzip nix Schlimmes, aber….

…durch mein Fernstudium, muss ich mich mit Themen wie Vorurteile und menschliches Verhalten beschäftigen. Ich lese viel und schaue gerne die ein oder andere Doku. Manchmal lässt mich das vor Entsetzen grün anlaufen (ja, ich weis, Grün steht mir nicht). Neulich habe ich eine ganz kurze Doku über ein Plus-Size-Model geschaut (ja, spätestens ab Größe M ist man Plus-Size) und das Model sprach über seine positive Einstellung zum eigenen Körper. Mir kamen sofort zwei Gedanken: Tolle Frau und ist das nicht normal, dass man seinen Körper mag? Nein, ist es leider nicht, nur habe ich das in den Jahren die ich jetzt schon mit meinem Menschen-Hunde-Rudel verbringe zum Glück fast vergessen. Als ich die Kommentare unter dem Video las, da wurde mir klar, wie selbstverständlich Menschen andere Menschen diskriminieren, beleidigen, wie wenig shaming es für die dunkelsten Vorurteile gibt. In meinem Studium lese ich Artikel über unterdrückte Vorurteile, unter dem Video war von „unterdrückt“ keine Spur. Gibt es eigentlich auch den Begriff brainshaming? Wäre vielleicht angebracht…

In den Kommentaren waren wirklich alle Klassiker zu finden: Ey, die soll lieber Sport machen….Voll gefährlich dieses Video, da wird Faulheit schön geredet….Die hat mindestens Kleidergröße 42, die hat sicher ne Fettleber, Herzprobleme und Diabetes, das kann ja nicht gut sein!…Voll peinlich….Das sowas ins Fernsehen darf… 

Ich habe die Vorurteils-Klassiker mal in eigenen Sätzen zusammengefasst, aber inhaltlich kam ALL DAS vor. Ok, wundert sich noch jemand, dass so viele Menschen lieber mit einem Hund um die Häuser ziehen, als mit einem Artgenossen? Mich wundert das nicht. Von Hunden/Tieren kann man lernen, sich wieder mit den wichtigen Dingen im Leben zu beschäftigen: Liebe, Lebensfreude und Freundschaft zum Beispiel. Mit Hund verbringt man auch mehr Zeit in der Natur als vor dem Fernseher und lernt, dass Kleidung ein waschbarer Gebrauchsgegenstand ist.

Inspiriert zu diesem Beitrag, hat mich neben der Doku mit ihren Kommentaren auch die Werbung für den Kinofilm „Embrace“. Darin geht es um eine Frau, die gegen den üblichen Schönheitswahn kämpft. Ich finde auch, dass es für Schönheit keine Normwerte gibt und dass Schönheit keine Bearbeitung mit Photoshop braucht. Und wie üblich, in Bayreuth läuft dieser Film nicht, dafür kann man hier die Schlümpfe sehen. Ok, das schult vielleicht die Toleranz für unterschiedliche Hautfarben. Nun denn, dann braucht es hier eben noch mehr Hunde als Friedensbotschafter. Ich wünsche Euch einen schönen shaming-freien Tag!

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