Entweder bin ich ein(e) Jedi ohne Kontrolle über die Superkräfte, oder mein Regenschirm hat eine künstliche Intelligenz die gegen mich arbeitet! In jedem Fall öffnet sich der Schirm von allein, ich brauche dazu nichtmal an Regen denken…

Der Himmel ist schon länger ein einziges Trauerspiel! Die Wolken hängen so tief, dass man sich den Kopf daran stößt und es regnet den ganzen Tag Bindfäden. Leider musste ich heute trotzdem das Haus verlassen, griff zum Regenschirm und stapfte los. Bis zur Bushaltestelle war alles prima. Der Schirm, groß und blau, verhinderte, dass ich mir den Kopf an den Wolken stoßen konnte und halbwegs trocken erreichte ich die Bushaltestelle. Dort begann das Theater. Der Bus hielt, ich stieg mit zusammengefaltetem Schirm ein, kaufte eine Tageskarte und wollte mir einen Platz suchen. Mitten im Gang sprang der Schirm auf. Verlegen legte ich ihn wieder zusammen und klemmte ihn mir zwischen die Knie nachdem ich mich gesetzt hatte. Beim Aussteigen das gleiche Spiel. Kurz bevor ich die Tür erreichen konnte, zack, klemmte der aufgespannte Schirm im Gang. Trotzdem schaffte ich es irgendwie (und ohne Verletzte) noch rechtzeitig aus dem Bus heraus und war draussen dann eigentlich ganz dankbar, als der Schirm erneut aufsprang.
Meine nächste trockene Station war der Bahnhof. Da ich mit dem Bus gefahren bin, hatte ich noch ordentlich Zeit zum abbummeln. Ich kaufte mir einen Kaffee, setzte mich in die Bahnhofshalle, klemmte sorgfältig den Schirm zwischen meine Knie und beobachtete die Leute. Momentan laufen die Bayreuther Festspiele, deshalb sieht man viele ältere Damen im „Münchener Stil“ (blondiert, grellroter Lippenstift, dunkel umränderte Kajalaugen mit schweren Fliegenbeinwimpern, genervtem Gesichtsausduck und schimmerndem Jäckchen aber eigentlich ganz freundlich). Es ist auch die Zeit der Touristen mit großen Rollkoffern, der Männer im Anzug, sogar ein Musiker mit Instrumentenkoffer zog vorüber. Nach einer Weile sah ich einen jungen Mann mit zwei Krücken der kaum damit laufen konnte. Über dem Arm eine Plastiktüte, versuchte er auf die Krücken gestützt eine Dose Bier zu öffnen….und gab auf. Danach bewegte er sich ganz langsam auf eine der geschlossenen Ausgangstüren zu und ich musste an die Bierdose denken und stand auf um eine der Türen zu öffnen. Leider öffnete sich mein Schirm gleichzeitig mit der Tür und der Kaffeebecher verrutschte in meiner Hand. Der Kaffee lief in den geöffneten Schirm der umgekehrt an meinem Arm wie eine Schüssel hing, aber das bemerkte ich erst beim umdrehen, als der Kaffee wieder aus dem Schirm lief. Ich war zu sehr mit dem Aufhalten der Tür beschäftigt um bis in’s Detail zu registrieren, was passiert war.
Auf der Bahnhofstoilette versuchte ich danach die Kaffeespuren zu beseitigen. Umständlich klemmte ich den offenen Schirm in der 1x1m Waschbeckennische unter den Wasserhahn um ihn auszuspühlen. Klingt kompliziert? War es auch, aber ohne ein exakt passendes 50 Cent Stück, war nicht in die WC-Kabine mit Klopapier zum auswischen zu kommen. Den frisch gespühlten und entkoffinierten Schirm legte ich zusammen und umklammerte ihn fest mit meiner Hand um weitere Umfälle zu vermeiden!

Erst im Zug bemerkte ich, dass mein Schirm ein angenähtes Bändchen mit Klettverschluss besitzt, mit dem man ihn SICHER verschließen kann….

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