Auf den Anzeigetafeln an den Straßenbahnhaltestellen wird seit Anfang des Monats eine „Linie 1“ mit dem Namen „Nikolaus“ angezeigt. Immer wenn wir es sahen, hätten wir laut Anzeige ca. 15 Minuten warten müssen. Wenn bei mir die Neugier gegen kalte Füsse antreten muss, gewinnen meistens die Füsse. So blieb die Linie 1 bis heute für uns ein ungelüftetes Geheimnis.

Aber heute…. heute kamen wir an einer Haltestelle vorbei und die Anzeige frohlockte mit 1 Minute bis zur Ankunft der Linie 1 alias Nikolaus. Wir blieben stehen. Linie 1 kam.
Auch andere Passanten waren neugierig. Linie 1 entpuppte sich als alter, festlich geschmückter Straßenbahnwagen und hinter der Eingangstür stand ein weißbärtiger Mann im roten Mantel. Der Wagen hielt an, die Tür öffnete sich, Neugierige mit aufgeregt glühenden Wangen trauten sich ihren Fuß auf die Eingangsstufe zu setzen. Der ehrwürdige Nikolaus schaute sie an, öffnete den Mund…. und leierte routiniert „Kostet extra!“
Die ersten Neugierigen zogen verdutzt ihren Fuß zurück und die Nächsten traten an die Tür. „Kostet extra!“ Bei den Nächsten hatte sich der Nikolaus gleich in den Weg gestellt… Er wirkte recht frustriert davon, dass Leute mit einem normalen Ticket einsteigen wollten. War das früher nicht genau anders herum? Heute bringt der Nikolaus nichts mehr, heute will er was haben! Das war auch im Kaffeehaus so in dem wir zuvor gesessen hatten. Irgendwann ging die Tür auf und ein rotmänteliger Rauschebart trat ein. Sollte es jetzt zum tollen Gedeck etwa noch ein Geschenk geben? Pustekuchen. Auch dieser Nikolaus wollte Geld und ging mit einer Sammelbüchse von Tisch zu Tisch. Ich hab nicht prinzipiell etwas gegen Sammlungen, aber wenn man ständig den Nikolaus in der Stadt trifft und er will immer nur Kohle haben, entzaubert das völlig seine Aura. Wenn ich als Kind einen Nikolaus oder Weihnachtsmann gesehen habe, war mein erster Gedanke nicht „Sch**ße, ich hab kein Kleingeld dabei!“ Früher war wohl doch alles besser 😉.

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