Unser diesjähriger Urlaub war kurz. Sehr kurz. Dieser Urlaub tat (fast) alles um uns zum Abbruch zu bewegen. Bereits nach 4 Tagen lief so viel schief, dass uns in Schongau nur noch ein Zug nach Augsburg blieb. Dort waren wir am Tag Eins gestartet.

Der Urlaub begann sehr schön! In Augsburg dem Zug entstiegen, radelten wir direkt in Richtung Botanischer Garten. An die Stadt schließt sich dort ein riesiges Park-/Waldgebiet an.

Wenn wir uns mit der Beschilderung nicht sicher waren, gaben uns sofort andere Radler freudig Auskunft. Den Nachmittag bummelten wir in diesem Stadtwald ab um Abends in Richtung Landsberg weiter zu radeln.

Bereits auf dem Weg nach Landsberg konnten wir am Horizont die Umrisse der Alpen erahnen, wunderschön! Und auch der Fluss Lech, war uns ein beeindruckender Wegbegleiter.

Die Fotoqualität ist leider nicht hoch, da ich auf Radtouren nie Equipment mitnehme um das ich bei Verlust weinen würde. Aus gutem Grund, wie der Urlaub noch zeigen wird….

Der Lech wird unzählige Male gestaut! Nur selten sieht man ihn wie hier als wilden Fluss. Meistens fließt er auf unserer Strecke breit und ruhig daher:

Den ersten Tritt verpasste uns unsere Reise, als wir die Räder eine längere Steigung hinauf zum Campingplatz hinter Landsberg schieben mussten. Neben den zwei bepackten Rädern, hatten wir einen Hunde-Fahrradanhänger dabei. Die Hunde luden wir nicht aus, weil es am Weg stark nach Wildtieren roch (Ursache war ein abgezäunter Wildpark, das sahen wir im Dunkeln nicht). Da wir recht müde waren, schoben wir das Fahrrad mit dem Anhänger abwechselnd, wobei ich mir prompt das Knie zerrte. Das bemerkte ich so richtig erst am nächsten Morgen, als ich zur Morgendusche humpeln musste.

Wir entschieden uns zwei Tage in Landsberg zu verbringen. Wegen der Hitze waren das zwei wunderschöne Badetage am Lech mit abendlichen Stadtspaziergängen im wirklich romantisch-schönen Landsberg.

Oben seht ihr Johannes und Isi beim Schwimmen. Beide sind quer über den Fluss geschwommen und zurück. Für Johannes kein Problem, für einen relativ kleinen Hund wie Isi eine reife Leistung! Das Wasser war einfach toll: klar, erfrischend und mit nur verhältnismäßig leichter Strömung.

Bujo und ich sind eher so die Ufer-Paddler. Wir können beide schwimmen, sind aber tiefem Wasser gegenüber immer etwas misstrauisch.

Ich liebe ja meine Gummisohlen-Stoff-Riemen-Trekking-Sandalen, denn sie sind zwar nicht schön, aber wasserfest. So konnte ich sie hier als Badeschuhe nutzen…..

Johannes war mit Turnschuhen unterwegs und musste barfuß ins Wasser, was sich leider sehr schnell rächte. Vermutlich an einer Fluss-Muschel-Schale schnitt er sich ordentlich den großen Zeh auf. Das beendete die Badetage.

Wir beschlossen unsere Radtour fortzusetzen. Da es eher jeden Tag wärmer statt kälter wurde, mussten wir den Fahr-Tag morgens um 5:30Uhr beginnen, damit wir gegen 10 Uhr unser erstes Tagesziel erreichen konnten: Epfach mit seinem Römermuseum. Unser finales Tagesziel sollte ein Campingplatz bei Rottenbuch sein. Das entsprach ungefähr einer Tagesetappe von 40 km. Sollte machbar sein, wenn man früh und abends fährt…..dachten wir.

Direkt hinter Landsberg war Schluss mit dem gemütlichen Radeln, hier begannen die ersten spürbaren Steigungen. Gleichzeitig genossen wir die klare Morgenluft und sehr niedliche Dörfer.

Leider verlief der Radweg hier zum größten Teil über Landstraßen. Ich finde es nicht so toll, regelmäßig von Autos umschifft zu werden.

In Reichling hatten wir uns schon richtig hoch hinauf gekämpft und bekamen als Belohung einen beeindruckenden Ausblick auf die Alpen! Kurz danach stellten wir fest, dass wir die mühsam erarbeitete Höhe auf einer 13 prozentig abfallenden Kurve wieder verloren. Es kann frustrierend sein, wenn man einen halben Kilometer mit angezogener Bremse bergab rollt, nachdem man über 10km stetig bergan gefahren ist. Vielleicht lies und dieses Erlebnis kurz danach den ersten Fehler des Tages machen. Wir erreichten Epfach. In Epfach gab es früher eine bedeutende Römersiedlung. Epfach ist schön an einer Lechschleife gelegen, man kann verstehen, dass es den Römern hier gut gefallen hat. Heute ahnt man nicht mehr viel von ihnen. Selbst das so genannte Römermuseum ist einfach ein 20qm Raum mit Schaukästen. Das ist zwar nicht schlecht, aber wir hatten doch etwas mehr erwartet.

Das größte Highlight in Epfach war eine kleine, urige Bäckerei mit traumhaften Heidelbeerkuchen. Hier deckten wir uns mit Essen und noch mehr Getränken ein. Weil mein Rucksack nun voll war, steckten wir mein Portemonnaie in die Lenkertasche. Fehler Nummer 2. Der erste Fehler bestand übrigens darin, dass wir beschlossen HINTER Epfach ein Schattenplätzchen für die Siesta zu suchen. Das hätten wir nicht tun sollen. VOR Epfach gab es genug Schatten am Lech. Hinter Epfach war der Waldrand durch Weidezäune unerreichbar und selbst als wir uns hinunter zum Lech gearbeitet hatten, war der Weg sehr schattenarm. Für zwei Stunden fanden wir ein schönes Plätzchen, aber ab halb 2 gab es auch hier keinen Schatten mehr:

Weidezäune und Sonne, eine schlechte Kombination bei Hitze. Und hier komme ich zu ein paar Problemen vor die uns der Radwanderweg stellte: Wir brauchten im Schnitt sechs 1,5-Liter-Flaschen Flüssigkeit um sicher zu stellen, dass wir und die Hunde genug zu trinken bekommen. Das ist viel Gewicht, das mit mitführen muss. Da der Weg über weite Strecken durch sehr kleine Dörfer führt, konnte man sich nicht darauf verlassen, zwischendurch die Vorräte aufzufüllen. Obwohl wir unsere Fahrradtaschen mit Bedacht gepackt hatten, kamen wir zusammen mit den Wasserflaschen, den Nahrungsvorräten und dem Hundeanhänger auf viel Gewicht, dass die Berge hochgestrampelt werden musste. Richtige Raststätten (zum Beispiel schattige Holzunterstände) gab es auch nicht am Weg und die Landstraßen waren schattenarm.

Nach den zwei Stunden Pause war der Schatten weg, aber es war immernoch zu warm um ernsthaft weiter zu radeln!

Wie wir später rekonstruieren konnten, rutschte uns hier auch mein Portemonnaie aus der Lenkertasche. Das bemerkten wir aber erst abends.

Der nächste Ort war Kinsau. In Kinsau hätten wir eine starke Steigung überwinden müssen um den Ort in der richtigen Richtung zu durchqueren. Es herrschte immernoch Mittagshitze und auch im Ort gab es auf den entscheidenden Straßen keinen Schatten. Wir entschieden uns notgedrungen die Route abzuändern und bergab zu radeln um den Lech zu überqueren und auf der anderen Seite nach Schatten zu suchen. Das gelang uns und wir konnten am Waldrand weitere zwei Stunden Siesta halten.

Unser Plan war es den Fluss an Staustufe 8 erneut zu queren und unsere Ursprungsroute in Hohenfurch wieder aufzunehmen. Das war Fehler Nummer 3. In unserer Karte war an Staustufe 8 eindeutig eine Überquerung eingezeichnet. In natura stellte sich heraus, dass es diese Überquerung eindeutig nicht gab und wahrscheinlich auch nie gegeben hat. Das kostete uns kostbare Zeit und wertvolle Kraft.

Wir hatten zwei Möglichkeiten: inzwischen mehrere Kilometer nach Kinsau zurück zu radeln und dann die dortige heftige Steigung noch obendrauf zu packen, oder auf der momentanen Flusseite einen Weg zu nächsten Flussquerung bei Peiting/Schongau zu suchen. Wir entschieden uns für die zweite Variante und arbeiteten uns bergan nach Birkland. Hinter Birkland wurden uns die fehlenden bzw. mangelhaften Höhenlinien in unserer Karte zum Verhängnis, denn laut Karte sollte es die nächsten Kilometer unaufgeregt geradeaus gehen. In der Realität nahm der Berg erst kurz vor Peiting ein Ende.

Wir kamen viel zu spät (gegen 20uhr) und viel zu müde in Schongau an. Unser angepeilter Campingplatz hinter Rottenbuch war noch ca. 12 ansteigende Kilometer entfernt. Wir waren nicht masochistisch genug veranlagt um uns mit inzwischen auch leerem Magen weiter zu quälen. Selbst wenn wir vorher eingekehrt wären, so wäre das kommende Stück im Dunkeln zu großen Teilen über die Landstraße verlaufen. Keine schöne Perspektive. Ungefähr jetzt bemerkten wir auch das Fehlen meines Portemonnaies. Zum Glück war Johanne’s Geldbörse an Ort und Stelle und wir beschlossen im nächsten Gasthof einzukehren und über eine Lösung unseres Problems nachzudenken.

Wir bestellten das Essen, ich lies telefonisch meine Bankkarte sperren und wir begannen Hotels durchzutelefonieren. Es gab einige tierfreundliche Unterkünfte, aber alle waren ausgebucht. Das überhaupt einzige freie Zimmer hätte heftige 120€ gekostet, und wie sich rausstellte, waren wir gerade dort mit Hunden unerwünscht. Während wir so eine Absage nach der nächsten kassierten, zog das nächste Problem auf: ein RICHTIG heftiges Gewitter. Es war inzwischen 21:30Uhr, wir saßen ratlos vor unseren Tellern im Gasthof und der Himmel öffnete seine Schleusen auf’s heftigste. Blitze, Donner, eine Wand aus Regen und wir wussten wirklich nicht wohin, wenn unsere Teller leer sind und der Gasthof schließt.

Die einzige Möglichkeit die uns blieb war zu schauen ob vom Bahnhof Schongau noch ein letzter Zug irgendwohin fährt. Und tatsächlich, es gab noch einen allerletzten Zug, kurz nach 22Uhr, nach Augsburg. Wir zahlten unsere Essensrechnung, schoben unser Hab und Gut im strömenden Regen zum Bahngleis, kauften ein Ticket und stiegen in den Zug. Wir waren nass bis zur Unterhose, so dass wir im Zug zuerst unsere Kleidung komplett wechseln mussten.Nach zwei Stunden Fahrt kamen wir um 0 Uhr im Augsburger Bahnhof an. Es gibt Schöneres, aber es war allemal besser als nachts in Schongau bei Weltuntergangswetter obdachlos zu sein. Dass es keinen Anschlusszug geben wird, hatten wir schon vermutet. Leider gab es auch sonst nicht viel. Sogar die Toiletten waren ab 0 Uhr geschlossen und die Sitzbänke reichlich ungemütlich. Naja. Irgendwie wurde es dann Morgen und wir wollten ein Ticket am Auomaten lösen. Es wunderte uns nicht mehr wirklich, dass der Automat Johanne’s Karte ablehnte. Offensichtlich wurde nicht nur meine Bankkarte gesperrt, sondern seine gleich mit. Da hüpft das Herz des Wanderers….

Damit begann dieser Tag, ein Donnerstag, mit der Suche nach der passenden Bank. Glücklicherweise wurden wir fündig (es muss nämlich in diesem Fall wirklich genau DIE Bank sein, bei der man ist). Und weil wir nun ohnehin schon mitten in der Stadt waren, uns nach einem Kaffee sogar halbwegs munter fühlten und die Temperaturen noch erträglich waren, schauten wir uns in der Stadt etwas weiter um.

Wir kannten Augsburg bisher nur oberflächlich, aber dieser Tag zeigte uns viele hübsche und interessante Seiten dieser Stadt. Auf dem Bild seht ihr zB. die Fuggerei (Ist das schon WERBUNG wegen Markennennung?). Jedenfalls ist die Fuggerei eine ziemlich große soziale Wohnanlage, geschaffen von der Familie Fugger, in der noch heute Menschen zu unglaublich günstigen Bedingungen wohnen können. Es war kein Problem die Anlage auch mit Hunden zu besichtigen und so zahlten wir gerne den moderaten Eintritt.

Durch den Tag in Augsburg bekam unsere zwangsweise beendete Urlaubsreise einen überraschend angenehmen Abschluss. Ebenfalls erfreulich war am nächsten Tag der Anruf eines Polizisten aus Schongau: Mein Portemonnaie wurde auf der Wache abgegeben! Nach Auskunft des Finders hatten wir es tatsächlich bei unserer Mittagsrast nahe Kinsau verloren.

Unser Fazit zum Radweg Romantische Straße

Wir würden uns nicht wieder zu sehr auf eine Wanderkarte verlassen. Die Campinglätze sind rar, Hotels begehrt, so dass man ein Problem hat, wenn man ein Tagesziel nicht erreicht. Man muss die volle Tagesration Wasser und Essen mitführen, da es nur wenig „Nachfüllstationen“ auf der Route gibt. Mit Fahrradanhänger würde ich jedem Nicht-Extremsportler ein elektrisch unterstütztes Fahrrad empfehlen! Wir haben uns sehr abgemüht. Gerade was Übernachtungen und Einkehrmöglichkeiten angeht, gibt es wesentlich Fahrrad-freundlichere Wanderrouten!

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