Acht Monate ist unser lang ersehnter Urlaub in der Bretagne inzwischen her. Wir hatten ihn uns wirklich heiß erträumt und auch jetzt habe ich so viele schöne Erinnerungen daran aber trotzdem war er nicht nur die reine Freude. Warum? Weil wir in unserer Reiseplanung etwas lasch waren und deshalb einige unschöne Überraschungen erlebt haben.

Notredame

Eigentlich schien unser Urlaubsplan wasserdicht: die Zugtickets für Hin- und Rückfahrt waren bereits mehrere Monate vorher gekauft. Das Mietauto in Rennes hatten wir rechtzeitig reserviert. Unser Reisegepäck war gut sortiert und intensiv durchdacht. Das Wetter, nunja, das musste Glückssache bleiben. Fast hätte ich mich kurz vor Abreise für einen Koffer an Stelle des Wanderrucksackes entschieden. Zum Glück nur fast, denn das hätte unseren Urlaub nahezu unmöglich gemacht wie sich bald herausstellen sollte.

Paris

Die Anreise von Würzburg über Frankfurt und Paris nach Rennes klappte fast nach Plan. Fast. In Paris verwechselten wir die Ankunft des nächsten Zuges mit der Abfahrt und wunderten uns, dass es zur vermeintlichen Abfahrtszeit keinen Zug gab. Zum Glück konnten wir unser Ticket umtauschen, so dass es für den nächsten möglichen Zug nutzbar wurde. Paris indes war laut, voll und warm, teilweise auch recht schmutzig. So richtig romantisch fand ich das was wir von der Stadt gesehen haben nicht. Wir durften mit unseren Hunden auch keinen Park betreten und mussten immer drum herum mit unserem Gepäck.

Blick durch den Zaun in einem Park in Paris

Gegen 20Uhr kamen wir in Rennes an. Kein Problem, dachten wir, mit dem Bus erreichen wir den Campingplatz trotzdem noch bevor er schließt. Bereits im Zug hatten wir einen passenden Bus für den knapp 7km entfernten Campingplatz herausgesucht. Schon etwas müde wackelten wir mit unserem gesamten Gepäck zur Bushaltestelle. Die schweren Rucksäcke und noch extra Proviantbeutel ließen uns unsere Müdigkeit doppelt spüren. Der Bus kam, hielt und schmiss uns gleich wieder raus: Hunde verboten! Moment mal, das konnte doch nicht sein! Der Bus fuhr weiter und wir schleppten uns zum Fahrplan und tatsächlich, im Kleingedruckten stand es: Keine Hunde im Bus. Das war ein ziemlich harter Schlag für uns. Der Campingplatz lag am äußersten Stadtrand und unser Gepäck war nicht fürs Wandern gepackt, sondern um mit Bahn, Bus und Auto transportiert zu werden. Die Rucksäcke plus zusätzliche Taschen waren viel zu schwer. Auch die Option Taxi war nicht greifbar. Wir hatten keine Wahl und schleppten unser Hab und Gut in etwas mehr als einer Stunde straffen Fußmarsches zum Campingplatz.

Morgen wird alles gut! Damit trösteten wir uns. Morgen haben wir das Mietauto!

Wäre es mal so gewesen. In Deutschland haben wir schon öfter ein Auto gemietet. Da das bisher immer ganz einfach war, und uns die Autovermietung bei der wir schon in Würzburg das Auto reserviert hatten nichts anderes sagte, kamen wir nicht auf die Idee, dass es in Frankreich nur mit Kreditkarte funktionierte. Keine Maestrokartr, kein Bargeld, nur Kreditkarte. Das bedeutete: Kein Auto. Wir sind keine Kreditkartennutzer, da wir beide das Konzept ablehnen. Bisher haben wir in Europa auch immer alles ohne Kreditkarte bekommen, aber das Auto bekamen wir nicht. Ja, es hätte im Vertrag auf der Seite XY im Kleinstgedruckten gestanden.

Rennes

Wir hatten also 3 Wochen Bretagne vor uns (laut Zugticket) und keinen fahrbaren Untersatz. Statt wie im Urlaub fühlte es sich an wie obdachlos in Frankreich gestrandet. Immerhin hatten wir unser Zelt, ein Kochgeschirr und gefühlte 100 Dinge zu viel um zu wandern.

Um hier etwas abzukürzen: Wir stellten schnell fest, dass nicht nur die Busse in Rennes keine Hunde mitnehmen, auch in anderen Städten und in Überlandbussen waren maximal Hunde in Katzengröße innerhalb einer Transportbox erlaubt. Zudem befindet sich das Zugnetz eher im Rückbau und es gibt nur ganz wenige Städte am Meer mit Bahnhof.

Der erste Frust war wirklich groß. Es war der erste größere Urlaub nach mehreren Jahren und wir hatten viele Monate davon geträumt. Jetzt saßen wir frustriert und planlos auf dem Campingplatz in Rennes. Immerhin konnten wir tagsüber unser Gepäck im Zelt lassen und uns die Stadt selbst anschauen, denn Rennes ist recht hübsch mit einem alten Kern aus Fachwerkhäusern und einem wunderschönen großen Park mitten in der Stadt.

Leider habe ich kaum Bilder von Rennes, da unser Fotoapparat den Urlaub leider nicht überlebte… Und die Speicherkarte auch nicht. Mehr dazu später.

Uns war schnell klar, dass wir einen komplett neuen Plan brauchten, in dem viele unserer ursprünglich ersehnten Reiseetappen mangeks Zuganbindung nicht vorkommen konnten. Wir entschlossen uns nach 3 Tagen Rennes einen Zug in die nächste Stadt am Meer mit Bahnhof zu nehmen: Saint Malo. Wir wollten wenigstens das Meer sehen!

Saint Malo hat einen toll gelegenen Campingplatz und wäre das Historische Stadtzentrum nicht so scher übertouristisiert, könnte man es auch beeindruckend nennen. Eine echte Piratenfestung in der Meeresbrandung mit zahlreichen Souvenirshops und noch mehr Touristen. Klar. Wir waren ja auch welche.

Der nächste Schreck ließ nicht lange auf sich warten: Überall wo man ans Wasser konnte stand ein großes „Hunde verboten“ Schild. Das konnte sich nicht wahr sein! Nichtmal die Pfoten ins Wasser halten sollte möglich sein?

Auch dieser Frust saß tief (und es war nicht nur in Saint Malo so!).

Wir beobachteten die Einheimischen mit Hund und stellten fest, dass es hinter der Stadtmauer zwischen den Stränden bei Ebbe ein Stück „Meeresboden“ gab, an dem Hunde geduldet zu sein schienen. Zumindest sah man hier ab und an welche. Wir wollten so dringend ans Wasser, dass wir uns trauten und dem Vorbild der Einheimischen folgen.

Meeresboden, an der Mauer sieht man bis wohin das Wasser bei Flut steigt!

In diesem „Zwischenreich“ auf dem Meeresboden zwischen den Stränden habe wir bei Ebbe viele schöne Stunden verbracht und einfach dem Wasser beim Kommen und Gehen zugesehen. Die Gezeiten sind magisch! Wir waren aber immer auf der Hut dem kommenden Wasser rechtzeitig auszuweichen, denn es kommt verblüffend schnell! Und aus einem Felsen kann in wenigen Minuten eine Insel und danach Meeresgrund werden. Ich habe diese Stunden am Wasser geliebt!

Wir sind eine ganze Woche in Saint Malo geblieben, bevor wir uns entschlossen weiter zu ziehen.

Unser nächstes Ziel sollte Roscoff werden. Auch ein ehemaliges „Piratennest“ am Meer. Wir fragten am Bahnhof von Saint Malo und erfuhren, dass man zurück nach Rennes und dann über Morlaix reisen musste. In Morlaix mussten wir feststellen, dass es die Zugverbindung nach Roscoff seit mehreren Monaten nicht mehr gab. Unser brandneuer Wanderführer war also schon veraltet und im Bahnhof von Saint Malo wurde dieses Detail auch nicht erwähnt. Natürlich nahm und der Bus nicht mit und so strandeten wir in Morlaix.

Auch in Morlaix lag der Campingplatz am äußersten Stadtrand, eigentlich schon ausserhalb der Stadt. Zu unserem Glück war dieser kleine, neue Campingplatz eine kleine grüne Oase mit Obstbäumen, super sauberen Sanitäreinrichtungen und einem Besitzer, der für uns nur deshalb noch einen Platz fand, weil wir zu Fuß kamen. Es war herrlich familiär und zum Frühstück konnte man die besten Croissants bestellen die ich bisher gegessen habe.

Wir beschlossen uns am nächsten Tag Morlaix anzusehen. Das Meer schien unerreichbar.

Morlaix ist eine recht kleine Stadt und relativ schnell durchwandert, beinhaltet aber den ein oder anderen Delikatessenladen.

An diesem Punkt der Reise hatten wir noch 10 Tage Urlaub vor uns und unser Reiseplan war erneut nicht realisierbar. Bereits in Saint Malo hatten wir einiges an Gepäck mit der Post nach Hause geschickt. Unsere Rucksäcke waren jetzt etwas leichter. In diesem Urlaub lernten wir uns auf das Allernötigste an Gepäck zu reduzieren. Erst wenn man seinen „Hausstand“ selber tragen muss, lernt man was ich wichtig und wertvoll ist. Regenzeug ist wertvoll. Ein zweites Halstuch ist es nicht. Am zweiten Tag in Morlaix trafen wir den Entschluss ans Meer zu laufen! Unser Ziel war Carantec.

Wir folgen dem Wanderweg und hatten das Gefühl mehrmals teilweise im Kreis geführt zu werden.

Aus 14 km wurden so um die 20km. Unterwegs gab es keine Möglichkeit weiteren Proviant zu kaufen und wir haben gelernt, dass man mit einer Packung Erdnüsse zum Abendbrot sehr glücklich sein kann. Unseren Wasservorrat durften wir unterwegs bei einer Einheimischen nachfüllen. Und wir entdeckten, dass das Meer immer „weg“ ist wenn man es besonders sehnlich erwartet.

Unsere Hunde Isi und Bujo waren extrem geduldige Reisebegleiter. Ohne zu murren sind sie neben uns hergelaufen und abends todmüde ins Zelt gekrabbelt.

Der Campingplatz nahe Carantec lag auf dem Grundstück eines Ökobauernhofes. Er war einfach, freundlich und je nach Wetterlage recht windig. Carantec selbst war ganz nett, hat uns aber auch nicht vom Hocker gehauen. Einen Kaffee trinken ohne Hauptmahlzeit dazu war nicht möglich. Eine Hauptmahlzeit am Abend ohne Reservierung war auch nicht zu bekommen. Am Strand waren Hunde verboten…. Einzig die vorgelagerte kleine Insel auf die man bei Ebbe laufen kann, war ein Idyll! Auf dem Weg zu dieser Insel plumpste uns unser Fotoapparat ins Salzwasser. Karte und Apparat waren durch den hohen Salzgehalt im Wasser nicht mehr zu retten. Deshalb gibt es vom ganzen Urlaub nur lückenhaft Handybilder.

Interessanter Weise waren sowohl in Saint Malo als auch in. Carantec Hunde auf Boten erlaubt!

Deshalb konnten wir auf einer Bootstour bei Saint Malo freilebende Delfine bestaunen und in Carantec auf ein Ausflugsboot zur Ile de Batz (Insel) steigen.

Die Ile de Batz war wunderschön! Leider kamen wir im Sturm auf der Insel an und mussten feststellen, dass der Wind ich weiter zulegte. Das Westliche Ende dieser Insel besteht nur aus Wiesen und Felsen. Man hat das Gefühl es könnte jeder Zeit ein Wickingerschiff an dieser einsamen, wilden Küste anlegen!

Wir campten hier bei 103km/h Windstärke auf einer zum Glück baumlosen Wiese direkt am Meer. Es war viel Glück dabei, dass uns das Zelt nicht vollständig um die Ohren geflogen ist. Es gab mehrere Zelte bei denen das Gestänge brach oder der Stoff riss. So eine Nacht möchte ich trotzdem nicht wiederholen. An viel Schlaf war unter dem ächzenden Zelt nicht zu denken. Mit Steinen beschwerten wir die Heringe, unsere Rucksäcke türmen wir im Zelt auf der Windseite auf, damit sich die Zeltwand unter den Böen nicht auf uns drauf senkt. Für unsere Hunde muss diese Nacht ziemlich schlimm gewesen sein.

Am nächsten Morgen krabbelten wir aus dem Zelt. Es hatte die Nacht überlebt! Wir konnten noch den beeindruckenden Botanischen Garten auf der Insel besuchen und setzten dann nach Roscoff über.

Roscoff war eher ernüchternd. Es gab eine touristisch hergerichtet Hauptstraße und den Hafen.

Das Schönste war eigentlich der Weg um die Bucht zum Campingplatz. Bei Ebbe ist die Bucht komplett frei von Wasser. Das ist beeindruckend. Der Weg zum Campingplatz war allerdings auch recht weit.

Auf dem Campingplatz selbst mussten wir noch eine Weile laufen um hinter den Mobilehomes und Campingbussen die Zeltwiese zu finden. Leider roch es auch noch nach Urin. Das einzig Gute an diesem Campingplatz waren der Imbiss mit warmen Essen und die Waschmaschine inklusive Trockner. Es gab auch einen Zugang zum Meer, aber leider war es meistens zu kalt um daran Freude zu haben.

Ab dem nächsten Tag kippte das Wetter. Es wurde nach und nach immer regnerischer und kälter.

Die gute Nachricht: unser Zelt hat trotz mehrerer stark verregneter Nächte dicht gehalten!

Eine Jacobsmuschel

Von Roscoff sind wir in drei Tagesetappen zurück bis nach Morlaix gelaufen.

Einen richtig schönen Campingplatz hatten wir in Saint Pol de Leon!

Saint pol de Leon

Und in Morlaix haben wir uns einen Ruhetag auf unserem kleinen, ruhigen Lieblingscampinglpatz gegönnt!

Das Wetter war in der gesamten dritten Woche sehr kühl und entwickelte sich von wechselhaft hin zu Dauerregen.

Unsere letzte Nacht in Frankreich verbrachten wir in Rennes. Wir bauten das Zelt am Abend im Regen auf und am Morgen im Regen ab. Danach mussten wir eine Stunde durch den Strömenden Regen zum Bahnhof laufen. Das war ein recht gnadenloser Abschied vom Urlaub. Zudem hatte unser TGV nach Paris Verspätung und eine komplett veränderte Wagenreihung. In Frankreich kann man ein TGV Ticket ausschließlich mit Platzreservierung kaufen, weshalb „korrektes Einsteigen“ sehr wichtig ist.

Nunja, irgendwie sind wir nach Hause gekommen. Und nach all den Herausforderungen waren wir froh wieder Heimaterde unter den Füßen und Urlaub vom Urlaub zu haben.

Unser Fazit:

Die Bretagne hat wunderschöne Landschaften im Repertoire, keine Frage. Dennoch sind die Touristisch erschlossenen Regionen für Hundehalter mit sehr vielen Einschränkungen verbunden, zumindest in der Hauptsaison. Einen entspannten Urlaub mit Hund gibt es hier wahrscheinlich nur an abgelegenen Stränden, im Landesinneren und mit Auto/Campingmobil.